Israel
Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

14.03.07 15:10 Alter: 11 Jahr/e

Rumänien Heinz, 61, mit SoFiA in Rumänien, Aufbauhilfe im Überschwemmungsgebiet (II)

 

„Das Leben fängt jenseits der Grenze Deiner Bequemlichkeit erst richtig an.“ (NealeDonald Walsch)

Liebe Verwandte, Freunde, Unterstützer und alle Interessierte,

Mit Mühe reiße ich mich aus meinem Alltag, um den Abstand zu gewinnen, der für einen neuen Bericht notwendig ist. Nicht dass ich mich dazu wie für eine unliebsame Aufgabe überwinden müsste, doch meine Projekte hier haben inzwischen ein solches Tempo aufgenommen, dass ich aufpassen muss, die Kontrolle zu behalten, anstatt selbst kontrolliert zu werden. In meinem letzten Bericht erwähnte ich die zwei verschiedenen Ebenen, denen ich meine Aufmerksamkeit hier widme: zunächst die bedürftigen Menschen in den Dörfern und dann die regionale Ebene, wo ich versuche, Blockaden in der Verwaltung zu lösen, um die finanzielle Förderung für notwendige Großprojekte zu ermöglichen. Was ist also passiert seit Rundbrief 1?

Der Stand auf der regionalen Verwaltungsebene ist schnell berichtet. Hier konnte ich einige Ungereimtheiten aufdecken und den Beteiligten zu Bewusstsein bringen. Das Zusammen­bringen der verschiedenen Behörden, die nach meiner naiven Logik eigentlich auf Zusammen­arbeit angewiesen sind, gestaltet sich jedoch als überraschend schwierig. Wie schon berichtet, war ich bei der für die Oberflächenentwässerung zuständigen Behörde vorstellig. Diese Behörde hat das technische Know-how und alle Pläne für die notwendigen Instandsetzungs- und War­­tungs­­maßnahmen. Sie ist aber schon seit Jahren hoffnungslos unterfinanziert – man kann sagen: pleite – so dass die Pläne in den Aktenschränken verstauben und zudem auch die laufenden Unter­haltungsarbeiten nur teilweise durchgeführt werden können. Auf der anderen Seite fand ich bei der Kreisverwaltung ein Büro, das für die wirtschaftliche Entwicklung und die Vorbereitung auf die EU-Integration zuständig ist. Dort bot man mir völlig überraschend an, die Mittel für die not­wendige Co-Finanzierung aufzutreiben, wenn ich nur die technischen Unter­­­lagen für ein formgerechtes EU-Förderprojekt auftreiben könnte. Zurück bei der für die­ Graben- und Pump­systeme zuständigen Behörde traute ich dann meinen Ohren nicht, als man mir sagte, dass sie mit der Kreisverwaltung nicht zusammenarbeiten dürfe, weil sie direkt dem Landwirtschafts­mini­sterium in Bukarest unterstehe. Wegen dieser überkommenen Verwaltungsstruktur scheint es derzeit noch unmöglich zu sein, Pläne und Finanzierungsmittel zusammenzufügen, um damit einen Projektantrag zusammenzustellen, der die Voraussetzungen für eine Förderung mit EU-Mitteln erfüllt. Ich meine bewusst, dass es „noch“ unmöglich ist, denn inzwischen ist nach unserer Intervention ein Schreiben an das zuständige Ministerium gerichtet worden, um die notwendige Er­­laubnis zur Zusammenarbeit zu erwirken. Ich hoffe, dass dies den „gordischen Knoten“ platzen lässt, obwohl der Sage nach hierzu ja ein genialer Schwertstreich nötig wäre. Nun, dazu wird mir dann auch noch etwas einfallen, falls die Ministerialentscheidung keine Lösung herbeiführen sollte. In einem zaghaften ersten Versuch von politischem Lobbying konnte ich mich in eine Be­­suchergruppe von Landtagsabgeordneten der Kreise Rosenheim und Mühldorf am Inn einladen, mit denen der Landkreis Timis eine Patenschaft pflegt. Bei diesem Besuch in Timisoara stand auch ein, wenn auch kurzer, Besuch im ehemaligen Hochwassergebiet auf dem Programm.

Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch den stellv. Kreistagspräsidenten auf die oben geschilderte Pattsituation aufmerksam machen. Er hat sich einige Notizen gemacht …und ist zum nächsten Termin geeilt. Derzeit ist also an dieser Arbeitsfront erst einmal Abwarten angesagt. Bleibt noch zu erwähnen, dass wir die Zusage abringen konnten, dass bis Ende August ein Pumpwerk in kritischer Lage repariert wird, so dass die Landwirte zunächst einmal zumindest kleine Fortschritte beobachten können.

Unser Projekt zur direkten humanitären Hilfe im ehemaligen Überschwemmungsgebiet hat da­gegen deutlich an Schwung zugenommen. Endlich haben wir eine zufrieden stellende Formel für die Vergabe der zur Verfügung stehenden Spendenmittel gefunden. Getreu dem Kolping Motto „Hilfe zur Selbsthilfe“ soll dieses Geld in den Kauf von Baumaterial investiert werden, womit die betroffenen Familien, die zum Teil immer noch in Containern wohnen, ihr Haus selbst wieder instand setzen. Dabei ist Eigenleistung und Nachbarschaftshilfe eine wesentliche Voraussetzung. Um diese „Spielregeln“ bekannt zu machen, haben wir in den beiden betroffenen Ortsgemeinden Johannisfeld und Otelec jeweils eine Dorfversammlung einberufen. Über die Verteilung von Spenden ist hier in der Vergangenheit schon viel Streit und Missgunst entstanden, und dem wollten wir durch größtmögliche Transparenz in unserem Auswahl- und Entscheidungsprozess von Anfang an begegnen. In Otelec versammelten sich rund 120 Menschen auf dem Schulhof unter Maulbeerbäumen, in Johannisfeld kamen etwa 60 ins Dorfgemeinschaftshaus. Wir began­nen diese Versammlungen mit einer kleinen Übung, die ich mir zu diesem Anlass spontan aus­gedacht habe und die wir seither „Friedensübung“ nennen. Ich bat alle Teilnehmer, jeweils dem Nachbarn rechts und links in der Versammlung die Hand zu geben und nachdem der Kreis geschlossen war, sollte jeder seine beiden Nachbarn bewusst anschauen und zur Kenntnis nehmen. Dann sollte Ruhe einkehren und jeder spürte sich selbst als Teil dieser Gemeinschaft, mit der er, mehr oder weniger, sein Schicksal teilte. Schließlich, nachdem tatsächlich Ruhe eingekehrt war, sollte jeder bei sich selbst und dann mit seinen Nachbarn, deren Hände er hielt, Frieden einkehren lassen, einfach so, als bewusste Feststellung des Seins.

Ich selbst war dann am meisten überrascht, denn es klappte. Nach anfänglichem Zögern hat sich niemand mehr aus dem Kreis der Hände ausgeschlossen. Nach dem ersten überraschten Ge­schnatter trat tatsächlich Ruhe ein. Und zum Schluss konnte ich beobachten, wie sich manches Gesicht glättete. Mein Publikum war mir von da an im Wesentlichen freundlich gestimmt. In meinem Vortrag erläuterte ich dann Ziel, Bedingungen, Ablauf und Überwachung unseres Pro­jekts, wobei ich mich in der Sache an eine Präsentation hielt, die wir zu diesem Zweck auch in rumänischer und ungarischer Sprache vorbereitet hatten. Ein Großteil der Bevölkerung in Otelek ist ungarischer Abstammung, und einige der älteren Generation fühlen sich mit der rumänischen Sprache immer noch unsicher. (...). Neben dem Regelwerk betonte ich vor allem diese beiden Aspekte, die wir mit unserem Projekt fördern wollen: die Selbst­verantwortung als Ausdruck der Würde eines mündigen Bürgers, sowie der Gemeinschaftsgeist in einer ländlichen Gemeinde, ohne den die Kulturleistungen der älteren Generationen gerade in diesen Dörfern nicht möglich gewesen wäre. Es ergab sich daraus ein ziemlich spontaner Vortrag, der meine Übersetzer ganz schön zum Schwitzen brachte. Ich schweifte immer wieder vom Kernthema ab, hatte kritische Fragen zu beantworten und musste Berichte von Betrügereien bei früheren Spendenaktionen in hilfreiche Erfahrungen für die Zukunft ummünzen. Zum Abschluss wiederholten wir noch einmal die Friedensübung, wobei der Kreis der Hände sich nun sehr viel spontaner bildete. Im Anschluss waren alle Familien eingeladen, die glaubten in ihrer Wohn­situation unsere Projektbedingungen zu erfüllen, einen Antrag in Form unseres Fragebogens auszufüllen. So kamen in Otelec 44 und in Johannisfeld 42 Anträge zusammen, die es nun auszuwerten und in eine faire Reihenfolge der Bedürftigkeit zu sortieren gilt. Für diese Aufgabe haben wir uns die Mitarbeit von Vertrauenspersonen aus den Gemeinden gesichert. Nach der sachlichen Begutachtung nach rein logischen Gesichtspunkten stehen Ortsbesichtigungen an, wobei wir uns auf manche emotional aufgeladene Situation einstellen. Doch ich bin zuversichtlich, dass die durchwegs positiven Empfindungen und Reaktionen nach den Versammlungen noch nachwirken und wir zu guten und nachvollziehbaren Entscheidungen kommen.

Bei allen Ungewissheiten über unsere Möglichkeiten zu helfen haben wir bei der Bevölkerung hier eine Gewissheit hinterlassen, nämlich dass wir in Anbetracht unseres begrenzten Budgets nicht allen werden helfen können.

Damit können wir nach Einschätzung eines Bauingenieurs vielleicht die Renovierung von vier Häusern unterstützen. Hoffen wir, dass diese Rechnung aufgeht und dass dieses Budget vielleicht sogar noch eine Aufstockung durch die Kolping Organisation in Deutschland erfährt.

Und wie geht es mir bei all dem? Nun, ich kann sagen, ich habe genug zu tun. Ich gehe geradezu in meiner Arbeit auf, denn sie scheint mir genau auf den Leib geschneidert zu sein. Wer mich und meinen beruflichen Hinter­grund kennt, weiß, dass ich mich in kreativer Planungsarbeit geradezu verlieren kann. Und da hier meine humanitäre Motivation noch hinzukommt, empfinde ich die manchmal langen Arbeitstage und anstrengenden Verhandlungen in verschiedenen Sprachen mit und ohne Übersetzung gar nicht als Belastung, sondern als stets neue Herausforderung. Vieles ist unbequem hier. Meine Arbeit wird durch manche zusätzliche Anforderungen nebenher teilweise unterbrochen, zum Teil auch auf überraschend positive Weise ergänzt. Ich bin mir bewusst und spüre deutlich, dass ich als erster erwachsener Freiwilliger sowohl bei Kolping Banat als auch bei SoFiA unter besonderer, bisher aber sehr wohlwollender Beobachtung stehe. So wurde ich z.B. eingeladen, bei der Vor­stands­sitzung von Kolping Rumänien in Brasov einen Vortrag über meine Arbeit zu halten. Auch dies war eine, wenn auch sehr angenehme, Unterbrechung meiner Projektarbeit, und ich hoffe, dass meine Erfahrungen, die ich bei der Gelegenheit mitteilen konnte, nicht nur der Kolping Or­ganisation in Rumänien, sondern auch künftigen Freiwilligen hier von Nutzen sein werden.

Und dann ist da noch mein Gastgeber, Pfarrer Joszef Heinrich, bei dem ich mein Zimmer unterm Glockenturm habe. Seine Freundschaft und seine Kontakte haben mir eine ganz andere Seite von Rumänien erschlossen als die, die ich bei der Arbeit sehe. Neben den verschiedenen Feiern, die in seinem Pfarrheim stattfanden und zu denen ich stets eingeladen war, nahm er mich mit zu einem Besuch bei seiner Familie und zu einem Kirchweihfest im Norden des Landes, wo ich ein Leben kennen lernte, das bei aller Einfachheit von echter Verbundenheit und Lebensfreude zeugt, und wo ich unter vielem Anderem auch eine echte Himmelsleiter fand. Die Fotos von diesem Ausflug allein könnten einen Dia-Abend füllen. Meine Unterkunft ist also ein ganz entscheidender positiver Faktor für mein Wohlbefinden geworden, denn hier finde ich ganz selbstverständlich einen Ausgleich zu meiner Arbeit, bei der ich doch viele belastende Eindrücke mitbekomme. (...)

Aber dann spüre ich auch die Wahrheit des Zitats von Neale Donald Walsch, mit dem ich diesen Bericht eingeleitet habe. Ich fühle mich so lebendig, wie schon lange nicht mehr. Meine Umge­bung bei der Arbeit scheint dies zu bestätigen. Diese Lebendigkeit ist offenbar ansteckend, und ich kann sagen, wir alle haben viel Spaß bei der Arbeit. Was will man mehr? (...)

Und mit der positiven Geschichte der Familie Podina in Johannisfeld möchte ich diesen Bericht beschließen.

Die Eheleute Podina waren mein Paradebeispiel für die psychischen Folgen des Hochwassers und der anschließenden Hilf- und Ausweglosigkeit. Gleich in der ersten Woche meines Einsatzes hatten wir eine Begegnung „der besonderen Art“. Wir trafen sie bei unserem Besuch am Nach­mittag schlafend in ihrem Container an, während rundum die Gärten und Felder bestellt wurden. Mit vielen Ausflüchten versuchte Herr Podina mir dann die Sinnlosigkeit von jedweder Arbeit auf seinem Hof, der auch vom Hochwasser betroffen war, zu erklären. Und so kam es, dass ich, der Stadtmensch, dem Bauern seine seit Generationen ererbten Tugenden wieder in Erinnerung bringen musste. Ich ließ keines seiner Argumente gelten und forderte ihn heraus, seiner Familie zu zeigen, dass er trotz Hochwasser und sonstiger Probleme sehr wohl imstande sei, ein Ein­kommen zu erwirtschaften. Gewissermaßen als letzte Spende von Kolping hinterließ ich einige Päckchen Blumen- und Gemüsesamen, die ich von zu Hause mitgebracht hatte und kündigte an, dass ich seine Fortschritte regelmäßig beobachten werde. Was soll ich sagen, bei meinem letzten Besuch im Anschluss an die Dorfversammlung in Johannisfeld fand ich einen stolzen Herrn Podina mit seiner glücklich lachenden Frau in einem gut bestellten Garten vor, wo meine Sonnen­blumen so hoch stehen wie sonst nirgendwo.

Nun mag einer bezweifeln, ob dies ein Ergebnis ist, das den Einsatz eines Freiwilligen aus dem Ausland lohnt. Für mich gibt es da keinen Zweifel, nicht weil ich diesen kleinen Fortschritt initiiert habe, sondern, weil er ohne den Besuch eines unbeteiligten Helfers gar nicht in Gang gekommen wäre und so nicht als Beispiel für andere hätte dienen können. (...)

Herzliche Grüße aus Timisoara, wo sich inzwischen ein Sommer etabliert hat, der uns fast täglich mit strahlend blauem Himmel und Temperaturen um die 30 Grad verwöhnt.