Sudan
Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

11.07.07 09:24 Alter: 11 Jahr/e

Litauen Renate, 68, mit dem ASB in Litauen, Arbeit in verschiedenen sozialen Einrichtungen

 

Seit Anfang Mai bin ich für sechs Monate Teilnehmerin des "Freiwilligendienstes Litauen", einem Kooperationsprojekt zwischen dem deutschen Arbeiter-Samariterbund (ASB) und dem Litauischen Samariterbund (LSB). Sinn und Ziel meines Dienstes in Litauen ist, an drei Einsatzorten Einblick in die Arbeit der litauischen Samariter zu bekommen und sie zu unterstützen sowie Land und Leute kennen zu lernen.

Während der ersten beiden Monate bin ich zusammen mit meiner jungen Kollegin Nicolina in Jurbarkas, einer kleinen Stadt an der Memel, eingesetzt. Nicolina und ich wohnen dort in einer Zweizimmerwohnung mit Küche, Bad und Toilette in einer hier typischen Plattenbausiedlung. Seit Anfang Juni gibt es jedoch für einen Monat kein warmes Wasser, weil die Leitungen der Fernheizung kontrolliert werden!!

Nach einer herzlichen Begrüßung durch Danguole, unsere Betreuerin für die nächsten beiden Monate, Antanas, den Vorsitzenden des LSB, und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter lernen wir unsere Arbeitsstätten kennen: die Kleiderstube, die mit der Suppenküche und der Verwaltung des LSB in einem Wohngebäude im Zentrum der Stadt untergebracht ist sowie das Kinderzentrum in einem 15 Gehminuten entfernt liegenden eigenen Gebäude. Nicolina und ich wechseln uns wöchentlich ab und sind entweder von 9 bis 13 Uhr in der Kleiderstube oder von 14 bis 18 Uhr im Kinderzentrum tätig.

In der „Kleiderstube“ werden gebrauchte Kleidung, Schuhe, Taschen und Kinderspielzeug verkauft. Es handelt sich um Spenden privater Initiativen in Berlin und Anklam, die von dort - zusammen mit gebrauchten Möbeln - ein- bis zweimal pro Jahr mit großen Lastwagen nach Jurbarkas gebracht werden.

In Jurbarkas gibt es eine ganze Reihe von Second-hand-Läden, von denen die LSB-Kleiderstube die billigste ist. Jeden Morgen kommen 20 bis 40 Frauen und Männer, um nach billigen Angeboten zu suchen oder auch nur, um sich ein bisschen zu unterhalten. Audra, die Leiterin, die auch etwas deutsch spricht, kennt jede Kundin, jeden Kunden, hat für alle ein offenes Ohr und ist immer sehr freundlich. Ich versuche, mit den ein bisschen deutsch sprechenden Kunden ins Gespräch zu kommen und meine sehr geringen Litauischkenntnisse einzusetzen.

Um 11.30 Uhr essen wir in der Suppenküche, die von den Erlösen der Kleiderstube finanziert wird. Dort bekommen Bedürftige von montags bis freitags um 12 Uhr ein warmes Mittagessen: eine schmackhafte Suppe mit Zutaten aus den aus Deutschland gespendeten Konserven (Gurken, rote Beete, Kohl, Möhren, Bohnen), angereichert mit Kartoffeln, Graupen oder Nudeln. Der zweite Gang ist eine Mehlspeise mit Marmelade und/oder saurer Sahne oder Kartoffeln, rote Beete und Wurst. Manchmal gibt es auch "cepelinai", eine litauische Spezialität: Kartoffelklöße in Zeppelinform, gefüllt mit Fleisch oder Quark.

Ins Kinderzentrum kommen nachmittags ca. 20 Kinder (zwischen 7 und 14 Jahre), hauptsächlich aus sog. Risikofamilien, um zu spielen, Hausaufgaben zu machen und eine warme Mahlzeit zu essen. Diejenigen, die zuhause kein fließendes Wasser haben (wenn sie in einem der alten Holzhäuser wohnen, wo das Wasser aus einem Brunnen geschöpft wird), können auch einmal in der Woche duschen. Drei Erzieherinnen sind dort tätig, die jedoch keine sozialpädagogische Ausbildung haben. Die Leiterin, eine ehemalige Krankenschwester, hat ein Konzept für die Arbeit mit den Kindern entwickelt, das vom litauischen Sozialministerium finanziell unterstützt wird.

Im Kinderzentrum werden mir meine sehr mangelhaften Sprachkenntnisse besonders bewusst. Die Erzieherinnen sprechen weder deutsch noch englisch, nur mit einigen der älteren Kinder ist ansatzweise eine Verständigung möglich. Dadurch sind meine Möglichkeiten, mit den Kindern zu spielen, sehr begrenzt. Leider muss ich auch beobachten, dass die Erzieherinnen die Kinder kaum anleiten oder Beschäftigungsvorschläge machen. Das Hauptinteresse der Kinder gilt den Computern, die in dem großen Spielraum stehen und auch aus Deutschland gespendet wurden. Gebannt sitzen die Kinder (auch die kleinsten) davor und spielen ohne Anleitung oder Beaufsichtigung. Sie sollen zwar nicht länger als 15 Minuten hintereinander spielen, aber das tun sie mehrmals an einem Nachmittag. Auf unsere entsprechende Frage (durch Danguole gedolmetscht) erzählte uns die Leiterin, dass die Kinder nicht kämen, wenn sie nicht am Computer spielen dürften. Außerdem sagte sie uns, dass es in Litauen einen großen Mangel an ausgebildeten Sozialpädagogen bzw. Erziehern und Erzieherinnen gebe.

Für die Ferienmonate Juli und August sind ein paar Wanderungen und Ausflüge mit den Kindern geplant.

Trotz der von mir empfundenen Mängel macht es Spaß, mit den lebhaften, anhänglichen und aufgeschlossenen Kindern zu spielen, wenn sie nicht am Computer sitzen. Aber unter anderen Rahmenbedingungen könnte ich mich als freiwillige Helferin besser einbringen.

Jurbarkas (rd. 14.000 Einwohner) gehört zu den neun ärmsten Regionen Litauens, die künftig aus EU- und Landesmitteln besonders unterstützt werden sollen. Nach der Unabhängigkeit des Landes und der Loslösung von Russland mussten die meisten Industriebetriebe geschlossen werden. Viele junge Menschen arbeiten im Ausland (Deutschland, England, Irland, Spanien, Norwegen) oder in den größeren Städten des Landes. Einige haben sich als Autohändler selbständig gemacht, sie kaufen Unfallwagen in Deutschland und reparieren und verkaufen diese in Litauen. Andere betreiben einen der zahlreichen Second-hand-Läden. Außerdem gibt es auffallend viele Frisoere in der Stadt. Eine Reihe von Frauen arbeitet für mehrere Monate als Pflegekraft in Deutschland. Viele haben auch schlecht bezahlte Jobs in einem der großen Supermärkte, die sieben Tage pro Woche von 8 bis 22 oder sogar bis 23 Uhr geöffnet sind. Aber rund 10 Prozent sind auch arbeitslos. Die arbeitslosen Menschen, die Sozialhilfe beziehen, müssen im Sommer drei Monate arbeiten, z.B. Grünanlagen in Ordnung halten, die Strassen kehren oder auch als Urlaubsvertretung bei sozialen Einrichtungen einspringen.

Meine Zeit in Jurbarkas geht in den nächsten Tagen zuende. Außer der beschriebenen Tätigkeit in der Kleiderstube und im Kinderzentrum habe ich die Gelegenheit gesucht, mit möglichst vielen Litauern ins Gespräch zu kommen, um das Leben hier kennen zu lernen.

An den Wochenenden haben meine Kollegin Nicolina und ich Ausflüge mit dem Bus nach Vilnius, Klaipeda und die Kurische Nehrung sowie nach Siauliai mit dem Berg der Kreuze gemacht. Mit dem Organisationstalent und der Unterstützung von Danguole konnten wir auch die landschaftlich schöne Umgebung der Region Jurbarkas mit ihren Museen und Schlössern sehen und einige Feste (Chorkonzerte und Folklorefeste) besuchen.

Ganz besonders möchte ich hier noch einmal Danguole, die für die Samariter tätige liebenswürdige ehemalige Deutschlehrerin erwähnen, die uns hier betreut und versucht hat, uns zwei Stunden pro Woche in die schwierige litauische Sprache einzuführen. Bei vielen Gelegenheiten dolmetscht sie für uns und steht uns bei allen auftretenden Problemen und Fragen jederzeit zur Verfügung.

Am 2. Juli beginnt unsere Tätigkeit in Kaunas, der zweitgrößten Stadt des Landes, und wir sind gespannt, was uns dort erwartet.