Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

2.07.07 10:38 Alter: 11 Jahr/e

Palästina Brigitta, 64, mit dem EED in Palästina, Menschenrechtsbeobachtung

 

Eigentlich widerstrebt es mir, Schauergeschichten nach Hause zu schicken. Es macht oft einen sensationslüsternen Eindruck, von dem ich mich ausdrücklich distanzieren möchte, aber es passieren hier nun einmal Dinge, bei denen ich einfach nicht schweigen kann und auch nicht sollte, und diese Ereignisse erscheinen leider kaum in den Medien.

Der wichtigste Übergang von Bethlehem nach Jerusalem, der Checkpoint 300, wie er offiziell heißt, bedeutet zwar für alle Einheimischen eine große Erschwernis und mitunter ein unüberwindbares Hindernis, besonders betroffen davon allerdings sind vor allem Kranke, alte oder behinderte Menschen, Mütter mit Babies und kleinen Kindern, eben all diejenigen,

die der Hlfe am meisten bedürfen.

Ich erlebte, dass Patienten mit gültigen Papieren, mit ärztlichem Attest oder mit  einer Überweisung in ein Jerusalemer Krankenhaus der Übergang verweigert wurde.

Ich erlebte, dass nur den Patienten selbst der Übergang erlaubt wurde, nicht aber dem oder den sie begleitenden Angehörigen. 

Ich erlebte, dass aus diesem Grunde Menschen resigniert auf einen Check Up oder eine  Behandlung an diesem Tag verzichteten und nach Hause in teilweise weit entfernte Orte zurückkehrten, um es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen, in der Hoffnung, dann auf freundlichere Soldaten zu treffen.

Ich machte dabei die Erfahrung, dass es häufig mehr von der Laune der Dienst habenden Soldaten abhängt, ob sie durchgelassen werden und wie sich das Procedere gestaltet. Aber selbst wenn alles ohne zusätzliche Schikanen ablaufen würde, denn dieser Checkpoint ist ohnehin eine nicht zu tolerierende Schikane, bedeutet der Durchgang für die sichtbar Schwerkranken eine unzumutbare Belastung.

Am  Montag, dem 25. Juni  2007, erlebte ich morgens gegen sieben Uhr eine besonders unsensible und menschenunwürdige Behandlung:

Von Bethlehem aus gesehen an Ende des "Kuhstallgangs",  wie ich den mit Eisen umzäunten ca. 100 m langen Aufgang zum Durchlass durch die Trennungsmauer nenne, wartete in dieser Menschenschlange eine sichtbar schwerkranke Frau, schätzungsweise 50 Jahre alt, mit ihrem erwachsenen Sohn auf Einlass. Die Drehtür war wieder einmal zu, wie so oft zwischendurch, wurde aber von dem Soldaten im Schalterhäuschen sofort geöffnet, als ich mich von innen näherte. Die Frau schien gehbehindert, sie schaffte es nur mit Mühe allein durch diese Drehtür, die immer nur eine Person durchlässt, sodass der Sohn ihr nicht helfen konnte. Ich nahm sie in Empfang, stützte und begleitete sie auf ihrem weiteren Weg durch das Terminal.  

Diese Frau war auf dem Weg zur stationären Aufnahme in das St. John's Hospital, einer Augenklinik in Ost- Jerusalem. Wie der Sohn mir erklärte, litt sie an einem bösartigen Tumor im Kopf. Vielleicht wegen des Tumors, vielleicht hervorgerufen durch die  Medikamente, ich weiss es nicht, sie zeigte jedenfalls Lähmungserscheinungen in den Beinen und konnte ausserden nur mit Mühe sprechen. Vom Sohn und mir gestützt meisterten wir langsam den Weg über den Hof in das Innere des Terminals, vorbei an und durch die Menschenmassen hindurch der dort auf Abfertigung Wartenden zu dem wiederum durch eine Drehtuer abgesperrten kleinen Bereich mit dem Metalldetektordurchgang, dem Laufband mit Rhoentgengerät fuer Gepäck etc. Dort aber begann die eigentliche Tortur:

Es piepte, als sie sich da durch quälte, und sie wurde von der Soldatin im mit Panzerglas gesicherten Kabuff per schnarrendem Lautsprecher aufgefordert, wieder zurueckzugehen. Der Sohn und sie selbst waren verwirrt, wo war Metall verborgen? Ihre Habseligkeiten für den Krankenhausaufenthalt hatte der Sohn bereits auf das Laufband gelegt. Die Frau entfernte die Sicherheitsnadel, die ihr Kopftuch festhielt und gab sie mir. Doch wiederum piepte es beim Durchgehen. Die Soldatin wurde ungeduldig und brüllte durch den Lautsprecher, der natürlich in der ganzen Halle zu hören war und die wartenden Männer, die es eilig hatten, pünktlich zu ihrer Arbeit zu kommen, ebenfalls ärgerlich und ungeduldig machte. Wir zogen ihr die Schuhe aus und legten sie auf das Laufband, doch erneut piepte es. Unsicherheit und Verwirrung verstärkten sich, ebenso die Lautstärke der Menschenschlange. Der Sohn wurde unmissverständlich aufgefordert, wieder zurück hinter die Drehtür in die wartende Menge zu gehen. Mein und sein Einwand, dass seine Hilfe bei dieser Prozedur unverzichtbar sei, nützten nichts. Die wartende Menge in der Halle wurde noch lauter, unruhiger und der Sohn hatte das auszuhalten. 

Es piepte weiter. Da sah ich die vermeintliche Ursache; es mussten die kleinen Pailletten sein, die als Schmuck am Halsausschnitt und Oberteil ihres traditionellen Kleides aufgestickt waren. Ich wies die Soldatin darauf hin, doch es half nichts. Im Gegenteil, ich selbst sollte zurückgehen. Ich widersetzte mich dickköpfig diesem Befehl stützte die Kranke weiterhin, nahm mein Mobiltelefon und rief die Humanitarian Hotline an, eine Möglichkeit für uns Beobachter in solchen Fällen oder in anderen unklaren und strittigen Situationen. Doch auch das nützte nicht viel. Obwohl diese Soldatin, wie ich dann sah, wahrscheinlich einen Anruf von dort bekam, schickte sie diese Frau noch zweimal durch den Metalldetektor mit dem entsprechenden piependen Ergebnis, kam dann aus ihrem Kabuff heraus und zwang die Frau doch tatsächlich, ihr Kleid bis zu den Schultern hochzuheben und ihren BH ebenfalls. Da stand sie nun halb nackt in diesem öffentlichen Raum nur mit ihrer Unterhose bekleidet, schwankend und von mir gehalten. Meine Gefühle in diesem Augenblick kann ich kaum beschreiben: entsetzliche Wut packte mich und mixte sich mit Traurigkeit, Scham, Hilflosigkeit. Ich konnte kaum an mich halten, ich hätte schreien, treten, um mich schlagen, am liebsten diese Soldatin ohrfeigen mögen wegen ihres niederträchtigen, unmenschlichen Verhaltens, statt dessen quollen mir nur die Tränen aus den Augen. Ich ließ es geschehen, half beim Ankleiden. Der Sohn kam danach auch, wir gingen weiter durch die nächste und letzte Kontrolle, dem Identitätscheck mit der Abnahme des Fingerabdrucks. Ich begleite die beiden weiter bis auf die Jerusalemer Seite und brachte sie zum Taxistand. Beim Einsteigen war sie so geschwächt, dass sie ihre Beine kaum noch bewegen konnte, es brauchte vier Männer, um sie ins Taxi zu setzen.

Immer noch heulend ging ich zurück und schämte mich meiner Tränen nicht.