Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

22.01.10 14:06 Alter: 7 Jahr/e

Italien Christiane, 40, mit dem Voluntarius-Programm/DJiA in Sizilien, Unterstützung bei der Gemeindearbeit

 

Lange war sie gereift, die Entscheidung ein Jahr ‚auszusteigen’, ins Ausland zu gehen, ‚etwas Besonderes’ zu machen, den Alltag zu verlassen. Viel gab es vorher zu bedenken, zu planen, zu organisieren, zu regeln, zu fühlen...

Irgendwann war dann alles fertig: Abschied gefeiert (mit Kolleginnen, Freunden und Familie), neue Adresse und Handynummer verteilt, Pakete zum Verschicken per Post vorbereitet, Koffer gepackt, sich von den Liebsten verabschiedet und dann in den Zug bzw. in den Flieger gestiegen, nach dem bekannten Motto:

‚ICH BIN DANN MAL WEG!’

Auf der Fahrt, dem Flug wieder viele Gedanken, Gefühle und Fragen:
Was kommt jetzt auf mich zu? Wie wird es? Kann ich Ansprüchen und Anforderungen genügen? Schaffe ich die Aufgaben, die Arbeit, die auf mich zukommen? Welchen Menschen begegne ich? Wie komme ich mit ihnen zurecht?

Einen kurzen Einblick und einige positive Erlebnisse und Begegnungen hatte ich schon im Frühjahr bekommen können: offene Aufnahme und Einladungen von der Pastorin und von Gemeindemitgliedern, Zeit, Interesse und Freude über Besuch und Freiwilligendienst in ihrer Gemeinde. Aber wie würde es bei einem Jahr, bliebe es so?

Diese Frage kann ich mit ‚Ja’ beantworten. Die Gemeinde, die Pastorin und Gemeindemitglieder nahmen mich dann auch im Sommer freundlich und offen auf. Ich wurde eingeladen, bekam Stadtführungen, wurde in Gruppen eingeführt und im Zentrum, meinem neuen ‚zu Hause auf Zeit’ willkommen geheißen. Bei alltäglichen Dingen wurde Hilfe angeboten und es gab interessierte Fragen und Gespräche. Dies alles erleichterte mir das Ankommen, Einleben und den Einstieg sehr. Allerdings gab es natürlich trotzdem viel Aufregendes und Neues, Spannendes und Unheimliches: Wo ist der nächste Bäcker oder Supermarkt? Kann ich auf dem Markt alles kaufen? Wo ist der Bahnhof? Wie komme ich dort hin? Wo kriege ich Tickets und Briefmarken? Finde ich wieder zum Zentrum zurück? Was bedeuten all die vielen Geräusche? Kann ich mich daran gewöhnen? Wie gehe ich mit den krassen Eindrücken (kaputte Häuser und Straßen, Müllmassen, unterschiedlichste Menschentypen, Krach, Verkehrschaos) um? Gibt es grüne und ruhige Oasen? Überlebenswichtig wurde hier das Ausblenden von einem sehr großen Prozentsatz der Eindrücke, das Ignorieren, das Übersehen..., was mit dem gewohnten deutschen Ordnungs- und Sauberkeitssinn, Hygiene- und Umweltschutzbewusstsein, Natur- und Ruhebedürfnis gar nicht so einfach aber nötig ist, damit die Sinne nicht komplett überfordert werden! Der Kontakt zu Familie und Freunden in Deutschland und in Italien in Form von Telefonaten, SMS, Emails, Briefen und Besuchen war in dieser Phase auch wichtig und ist nach wie vor hilfreich.

Nachdem ich zunächst die Menschen in Catania kennengelernt hatte, lernte ich in den ersten Wochen und Monaten durch Teilnahme an Gruppentreffen, der Gestaltung von Gottesdiensten usw. Dann auch die anderen Gemeindegruppen, Treffpunkte und Kirchen kennen. Inzwischen sind mir die Menschen an den verschiedenen Orten vertrauter geworden und es hat sich zu Vielen ein gutes und zu manchen auch ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt. Dies ist allerdings nicht so einfach bzw. geht es nicht so schnell, da sich die meisten Gruppen nur einmal im Monat, d.h. nur alle vier Wochen treffen. Da helfen wöchentliche Treffen in Catania und Umgebung oder besondere Angebote und längere Zusammenkünfte bei thematischen Treffen oder gemeinsamen Wochenenden. Diese Möglichkeit, den Kontakt intensiver, lockerer und vertrauter werden zu lassen, möchte ich nicht missen und er ist für mich, aber auch für die Gemeindemitglieder innerhalb ihres normalen Alltagslebens wichtig. Es trägt die Menschen der Gemeinde, aber auch die Pastorin und Freiwillige.

Ja, die Menschen habe ich in den ersten/letzten fünf Monaten gut bzw. besser kennen gelernt und auch meine Aufgaben(bereiche) haben sich mir erschlossen oder ich habe sie in Planungstreffen- und gesprächen mit der Pastorin entwickelt. (…)

Weiterhin sind meine Wochen gefüllt durch besondere bzw. tägliche, regelmäßige Aktivitäten und Angebote: Üben von Klavier, Flöte und Gitarre für Gottesdienste und Unterricht; Vorbereiten, Durchführen und Nachbereiten von Chorproben und Übungsstunden; Vorbereiten von thematischen Angeboten unterschiedlicher Länge (1/2 Tag – 1 Wochenende) für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, Teilnahme und Mitgestaltung von Konfirmandentagen; Vorbereiten von Gruppentreffen, Besuchen von Gemeindemitgliedern; Mithilfe in der Bücherei. Einige dieser Aktivitäten bereite oder führe ich mit der Pastorin vor bzw. durch, andere bereite ich alleine vor und biete sie selbstständig an.

Ich freue mich auf noch größere inhaltliche Mit- und Zusammenarbeit: z.B. bei Gottesdiensten, Konfirmandenunterricht und thematischen Angeboten für bestimmte (Ziel-)Gruppen und auf die Weiterführung bzw. den Anfang von musikalischen Angeboten wie Chöre, Gitarrenund Flötenunterricht.

Verstärkt möchte ich mir selber noch regelmäßigere Zeiten zum Üben und Spielen am Klavier und Lernen der italienischen Sprache geben und nehmen und eventuell noch neue Freizeitaktivitäten wie Kino- oder Unibesuche, außerdienstliche Treffen oder Lesen (italienischer) Bücher in meinen ‚Alltag’ einbauen.

Insgesamt kann ich sagen, dass diese ersten fünf Monate für mich sehr interessant, vielfältig, spannend, aufregend und aufschlussreich waren und ich viele Einblicke in das Leben deutscher Frauen in Italien / italienisch-deutscher Familien und das Gemeindeleben einer deutschen evangelisch-lutherischen Auslandsgemeinde gewonnen habe. Ein Leben in ‚doppelter Diaspora’, das für alle Beteiligten nicht immer/nicht nur leicht ist und in dem die deutsche Sprache und der protestantische Glaube eine ‚Heimat’ sind – eine ‚vertraute Insel’ in der ‚Fremde’, im ‚großen Ozean’.

Ich kann den Mut, die Kraft, die Ausdauer, den Einsatz dieser Frauen immer wieder nur sehr bewundern und staunend, fragend und mitfühlend wahrnehmen, wie sie die Gegensätzlichkeiten Deutschland/Italien verarbeiten, sich arrangieren, integrieren, kämpfen, genießen und leben!

Ein bisschen Mut gehört wohl auch dazu, für ein Jahr/für einen Freiwilligendienst vertraute Bahnen, Beruf, Freunde und Familie zu verlassen und für eine bestimmte Zeit einen Schritt ins ‚Ungewisse’ zu wagen!

Es ist und bleibt spannend, lässt einen über Manches nachdenken, erzeugt viele (neue) Gefühle, setzt innere Prozesse in Gang und ist eine neue Erfahrung… ETWAS FÜRS LEBEN!!!