Sudan
Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

19.01.10 17:19 Alter: 8 Jahr/e

Ghana Anke, 31, mit SCI in Ghana, Aufforstungsarbeit im Workcamp in Jankufa

 

Das Projekt

Das Aufforstungsprojekt in Jankufa im Westen Ghanas wird jedes Jahr durchgeführt und scheint mir ein sinnvolles und nachhaltiges Projekt zu sein. Es werden jedes Jahr die in den Vorjahren gepflanzten und noch kleinen Teak-Bäume von dem überwuchernden Busch befreit und anschließend neue Bäume gepflanzt. Für diese Arbeit wurden wir mit Buschmessern ausgestattet und haben damit eifrig den bis zu zwei Meter hohen Busch bearbeitet, um die gepflanzten Bäume freizulegen. Da sich die Beschaffung der Setzlinge für die neue Pflanzung verzögert hat (wahrscheinlich auf schlechte Planung durch die Campleiterin zurückzuführen), konnten nur am letzten Tag neue Bäume gepflanzt werden. Ein Großteil der TeilnehmerInnen reiste an diesem Tag bereits ab und einige andere Verbliebene hatten vor, die Arbeit zu Ende zu führen. Dies war leider ein unerfreuliches Ende einer ansonsten sinnvollen Arbeit.

Nach 15 Jahren können die gepflanzten Bäume für die Holzgewinnung genutzt werden; aus den Stümpfen der geschlagenen Bäume wachsen – wie uns erzählt wurde – jeweils mehrere neue Bäume nach, sodass auch die Folgenutzung in den einmal angelegten Plantagen einfach ist. Das erste Aufforstungs-Camp in Jankufa hat vor etwa 15 Jahren stattgefunden, sodass die erste „Ernte“ nun eingefahren werden könnte, was meines Wissens nach jedoch noch nicht in Planung ist. Die Erlöse aus dem Holz gehen dann zur Hälfte an VOLU und zur anderen Hälfte an die Dorfgemeinde in Jankufa, die beide die Teak-Plantagen gemeinschaftlich besitzen.

Camporganisation und -durchführung

Die Betreuung von internationalen Freiwilligen ist gut organisiert. Die Workcamp-TeilnehmerInnen werden in der Regel vom Flughafen abgeholt, wenn sie VOLU vorher per Mail über ihre genaue Ankunft informiert haben. Dies hat im Fall unseres Camps jedoch in zwei von drei Fällen nicht geklappt – und es war mir auch nicht klar, was schief gelaufen war. Die Camper können ein paar Nächte im VOLU-Hostel verbringen, einem großen Schlafraum im Gebäude des VOLU-Büros, in dem etwa 24 Leute in Etagenbetten Platz haben.

Die Registrierung für das Camp mit Ausstellung eines Freiwilligen-Ausweises wird im Büro der Workcamp-Organisation durchgeführt; der Prozess macht einen professionellen und korrekten Eindruck. Internationale Camper werden gebeten, ihren Ausweis und ihre Flugtickets sowie ggf. Wertgegenstände im Safe einzuschließen, sodass sie während des Camps nicht abhanden kommen. Ich wollte meine Dokumente eigentlich bei mir behalten, habe es aber trotzdem so gemacht. Wichtig ist nur zu beachten, dass man zu den Öffnungszeiten des Büros auf dem Rückweg auch rechtzeitig seine Dokumente aus dem Safe zurückholt.

Im VOLU-Büro bekommt man Hilfestellung für die Anreise zum Camp. In unserem Fall bin ich am Vortag des Workcamps zusammen mit der Campleiterin losgefahren, die anderen beiden europäischen Freiwilligen sind am nächsten Tag mit einem weiteren Teilnehmer, der in Accra wohnt, gemeinsam angereist.

Bei der Durchführung des Camps haben sich einige Traditionen etabliert, die teilweise sehr hierarchisch anmuten, aber alles in allem ganz gut funktionieren. Am ersten Camptag muss man sich bei der Leiterin oder dem Leiter anmelden, indem man seinen Namen, Adresse etc. in eine Tabelle einträgt, die an eine Wand gehängt wird und dort die ganze Zeit über bleibt. Dort wurde am ersten Tag auch eine Übersicht der Campregeln ausgehängt, an die sich jedeR zu halten hat. Im Laufe der Zeit kamen noch ein „Organigramm“ mit den verschiedenen Verantwortlichkeiten (Arbeitsleitung, das Entertainment- Gesundheits- und Essenskomitee sowie der persönliche Sekretär der Campleiterin), eine Liste mit den eingeteilten Küchendiensten, ein paar „Logs“, d.h. Tagesberichte, die reihum von jedem Camper über jeweils einen Tag verfasst werden mussten, eine Liste mit sonstigen Workcamps von VOLU zur Info und ein Speiseplan dazu.

Ebenfalls zur Durchführung gehören regelmäßige Meetings der Workcamp-Gruppe mit Feedbackrunden. Diese sollen eigentlich einmal pro Woche stattfinden, wurden bei uns jedoch nur einmal am Anfang und einmal relativ nah am Schluss durchgeführt. Die Stimmung im Camp war teilweise recht konfliktgeladen, da gleich in der ersten Woche ein Streit zwischen zwei Campern entstand, in dessen Zuge einer der beiden die randvolle Wassertonne umkippte, für deren Füllung wir gemeinsam sicherlich zwei Stunden gebraucht haben. Außerdem waren nach und nach immer mehr Teilnehmende unzufrieden mit der Campleiterin, die tatsächlich keinen sehr guten Job machte. Es war ihre erste Campleitung und sie hatte keine Campleiter-Ausbildung, da es sich zeitlich nicht einrichten ließ. VOLU hat das Ziel, verstärkt auch Frauen zur Campleitung zu motivieren, sodass das wohl wichtiger war als ein gutes Training. Unter den Teilnehmern gab es jedoch einen (den ältesten nach mir), der die Aura eines Campleiters hatte, sich für die Gruppe engagierte und die Arbeit organisierte und zudem viel anpackte, in der Küche und anderswo. Er war somit der eigentliche Campleiter und dadurch funktionierte die Gruppe auch ganz gut.

Am Ende des Camps wird eine Evaluation durchgeführt, in der zum Camp und zur Leitung, aber auch zur Organisation des Camps von Seiten des VOLU-Büros jeweils die Zufriedenheit und Verbesserungsvorschläge abgefragt werden. Die Fragen waren teilweise nicht sehr geschickt gestellt (SozialwissenschaftlerInnen finden darin sicherlich viele Unzulänglichkeiten), aber im Großen und Ganzen war der Fragebogen ganz gut geeignet, um die Arbeit von VOLU kontinuierlich zu verbessern, wenn die Auswertung der Befragung ernsthaft durchgeführt wird. Etwas befremdlich war hingegen, dass auch wir als Teilnehmende von der Campleiterin evaluiert wurden. Dies ist vor allem für die ghanaischen Camper wichtig, da diese oft an vielen Camps (ca. 5-30) teilnehmen. Wenn sich also jemand in einem oder sogar mehreren Camps daneben benimmt, wird er vielleicht nicht zu weiteren Camps zugelassen. In wieweit es zu „Sperrungen“ oder anderen Sanktionen gegen Camper kommt, die sich daneben benommen haben, weiß ich jedoch nicht.

Was mir als Teilnehmerin aufgefallen ist, ist dass es unter den Ghanaern ziemlich häufig Streitigkeiten um Geld gab. Ein Teilnehmer, der viel Geld hatte, wurde von mehreren anderen um Geld gebeten, weil die keins mehr hatten, und war darüber sichtlich genervt. Außerdem hatte er der Campleiterin Geld geliehen und nicht zurückbekommen. Ich selbst habe mich von der Campleiterin etwas über’s Ohr hauen lassen, indem ich bei einem Freund von ihr Geld gewechselt habe (sie hatte mich dazu überredet, ich wollte eigentlich den Geldautomat nutzen), und dort einen extrem schlechten Kurs (1:1,15 statt 1:1,5) bekommen habe. Und es gab im Camp oft Unzufriedenheit darüber, dass das Essen nicht gut sei und dass es in anderen Camps mehr Obst und Snacks während der Arbeit gäbe und zudem eine abwechslungsreichere Küche. Des Weiteren wurde z.B. Kaffee gekauft, aber kaum an uns ausgegeben, und die Campleiterin hat teilweise zusätzliche Sachen zu Essen gehabt, die wir Camper nicht hatten. Es lag also die Vermutung nahe, dass die Campleiterin beim Essen für das Camp sparte, um für sich selbst etwas von den Mitteln abzuzweigen. Dies ist jedoch für uns Teilnehmenden, erst recht die internationalen, kaum nachvollziehbar gewesen und kann nur vermutet werden. Soweit ich es mitbekommen habe, hat die Leiterin über die Ausgaben Buch geführt, aber die Einkäufe sind ja nicht durch Quittungen oder Bons belegt. Letztlich obliegt es natürlich der Organisation VOLU, darüber zu wachen, dass die Campleiter das Geld korrekt verwenden und abrechnen – dies scheint nach meiner Beobachtung in Afrika oft problematisch zu sein, was etwas frustrierend ist.