Internationale Freiwilligendienste fur unterschiedliche Lebensphasen

IFL

IFL (internationaler Freiwilligendienst): Neue Formen des freiwilligen Engagements für alle Altersgruppen.

Internationale Freiwilligendienste

Ziele des IFL: Gesellschaft Impulse geben, Menschen mobilisieren, Solidarität und Zivilcourage zu einer Selbstverständlichkeit machen.

generationsübergreifend Freiwilligendienst für Ältere / Senioren

generationsübergreifend Ausrichtung: wo in den üblichen Formen der Freiwilligendienst die Altersgruppen für gewöhnlich unter sich bleiben und stets die junge Generation überwiegt, steht dieser Dienst Menschen in unterschiedlichen Lebensphasen offen.

Ausland freiwillig Arbeiten / freiwilliges Engagement

Die Freiwilligen können sich weltweit (derzeit in 28 Ländern) engagieren – ob für Frieden und Menschenrechte, für Gesundheit, Kultur und Bildung, für soziale Gerechtigkeit, Integration oder den Schutz der Natur.

Sabbatjahr, Sabbatical

Wer sich für ein konkretes Projekt interessiert, sollte sich mit den entsendenden Organisationen selbst in Verbindung setzen, ebenso bei Fragen zur Finanzierung, zur Versicherung, zur Vor- und Nachbereitung etc. Bewerbungsunterlagen sollten einige Angaben zur Person (Alter, Ausbildung, Erfahrungen etc.), eine Beschreibung Ihrer Vorstellungen (Dauer des Dienstes, Tätigkeitsfeld, Land etc.) sowie ein kurzes Motivationsschreiben enthalten.

19.01.10 10:58 Alter: 8 Jahr/e

Israel Anke, 51, mit ASF in Israel, Archivarbeit in Gedenkstätte für Holocaust und Heldentum

 

An diesem Wochenende, nachdem ich jetzt schon einen Monat meinen Freiwilligendienst im Archiv in Yad Vashem beendet habe und in meine Heimatstadt Hamburg zurückgekehrt bin, traf ich mich mit dem Fotografen von Aktion Sühnezeichen Hartmut Greyer, der mich während meines Dienstes in Yad Vashem besucht hat und mir die Fotos schenkte, die mich zusammen mit meinen liebsten Arbeitskollegen in Yad Vashem zeigt. Auch meinen Arbeitsplatz konnte ich wieder sehen, und beim Anblick dieser Bilder wurde ich sehr wehmütig. Wenn ich mich so auf den Fotos genauer betrachte, sehe ich eine entspannte und glückliche Frau, und es stimmt, ich habe in meinem bisherigen Arbeitsleben noch nie so viel gelacht wie dort in Jerusalem. Das mag auf den ersten Blick makaber erscheinen, da ich dort durch die Bearbeitung des umfangreichen Quellenmaterials auch in menschliche Abgründe getaucht bin. Aber durch das tolle Betriebsklima und die lockere Atmosphäre, das freundschaftliche Miteinanderumgehen mit dem Projektleiter Elie Fuhrmann und meiner Kontaktperson für die Freiwilligen von Aktion Sühnezeichen Sabrina Goldemann und das Erkennen, dass meine Arbeit nicht sinnentleert war, sondern eine Bedeutung nicht nur für die Holocaustforschung sondern auch für mich hat, machten meinen Aufenthalt in Jerusalem zu einem einschneidenden und bestimmt sehr nachhaltigen Erlebnis.

Yad Vashem, die Gedenkstätte für Holocaust und Heldentum, wurde aufgrund eines Gesetzes gegründet, das von der Knesset, dem israelischen Parlament, in Jerusalem am 28. August 1953 verabschiedet wurde. Der Name Yad Vashem entstand nach einem Vers aus dem Buch Jesaja 56,5:

„Und denen will ich ... ein Denkmal (Yad) und einen Namen (Shem) geben; einen ewigen Namen, der nicht vergehen soll.“

Diese Gedenkstätte wurde errichtet, um die Geschichte der Juden im Holocaust zu dokumentieren, das Andenken an jedes einzelne der 6 Millionen Opfer zu bewahren und durch Aktivitäten des Archivs das Vermächtnis des Holocaust der nächsten Generation zu übermitteln.

Wie schon oben erwähnt, habe ich im Archiv von Yad Vashem gearbeitet. Ich bearbeitete verschiedene Akten (die eingescannt waren) am Computer, zuerst Akten aus dem Reichsjustizministerium in München, danach Polizeiakten, dann Akten aus dem Reichsministerium der Justiz aus dem Bundesarchiv in Berlin. Diese Akten waren fast alle aus dem Zeitraum von 1933 bis 1945.

In diesen Akten ging es um zum Beispiel um Prozesse gegen Juden wegen angeblicher „Rassenschande“, „Heimtücke“ , „Beleidigung des Führers“, „Kriegswirtschaftsverbrechen“,  aber auch „Nichtjuden“, die sich kritisch über Hitler und seine Judenpolitik geäußert hatten. Den Inhalt dieser Akten musste ich in eine kurze englische Zusammenfassung bringen und bestimmte Stichwörter (Keywords) wie z.B. Rassenschande oder Denunzianten nach einem bestimmten Datensystem Sapir, in das ich eingearbeitet wurde, eingeben, um diese Quellen für die Holocaustforschung zugänglicher zu machen.

Für jeden einzelnen Juden legte ich noch eine sogenannte Personal Datei an, die wiederum auch bestimmte Stichwörter enthielt wie Angaben zum Beruf, Geburtsdatum, Ort der Gefangennahme usw. Für diese Arbeit im Archiv waren sehr gute Englisch- sowie Computerkenntnisse notwendig, die ich schon durch meine Arbeit in Hamburg mitbrachte.
Darüber hinaus konnte ich durch mein Geschichtsstudium Sütterlin lesen und war oft gefragt als „Übersetzerin“ von Quellen.

Mit hat an der Arbeit sehr gut gefallen, dass ich diese Art von Arbeit als sinnvoll betrachtet habe. Auch wenn mir manchmal die Dateneingabe als zu langweilig erschien, habe ich mir immer wieder bewusst gemacht, dass ich durch jede einzelne Bearbeitung eines Prozesses einem jüdischen Menschen wieder seinen Namen zurückgegeben habe (siehe auch die Bedeutung des Namens von Yad Vashem) und ihn dadurch wieder sichtbar machte.
Ich wurde in meiner Einarbeitungsphase nicht nur von unserem Projektleiter Elie Fuhrmann sehr unterstützt sondern auch von anderen Arbeitskollegen, die die gleiche Arbeit verrichteten wie ich. Allerdings hat mir manchmal eine „Ansprache“ gefehlt, z.B., ob mir die Arbeit Spaß machen würde. Gefehlt hat mir auch eine Vertrauensperson, als mich die Arbeit, die teilweise sehr belastend war, auch in meinen Träumen verfolgte, konkreter ausgedrückt, als ich Alpträume bekam. Da habe ich mich stellenweise alleine gelassen gefühlt. Ausprobieren durfte ich mich in Yad Vashem auch in anderen Arbeitsbereichen. Ab und an bat mich Katharina von Münster, unsere Ansprechperson von Aktion Sühnezeichen in Jerusalem, Menschen, die an der Arbeit von Aktion Sühnezeichen interessiert waren, einen erste kurze Einführung über Yad Vashem zu geben. Ich durfte zwar keine „richtige“ Führung machen, aber diese kurzen Erläuterungen haben mir sehr viel Spaß bereitet, so dass ich mir durchaus vorstellen kann, hinsichtlich meiner beruflichen Perspektiven in Deutschland auch Museumsführungen mit einzubeziehen.

Besonders erwähnen möchte ich noch die Veranstaltung in Yad Vashem anlässlich des Shoa-Gedenktages am 20. April 2009 „The Opening Ceremony of Holocaust Martyrs’ and Heroes’ Remembrance Day”, an der ich als Freiwillige von Aktion Sühnezeichen teilnehmen durfte und die mich sehr berührt hat.

Das Vorbereitungsseminar in Berlin sowie die beiden Seminare in Jerusalem haben mir gut gefallen, hervorzuheben sind der Ausflug mit Breaking the Silence nach Sussiya und der Ausflug nach Bethlehem während des zweiten Seminars. Ich fand es sehr schön, die anderen Freiwilligen wieder zu sehen, besonders Magdalena und Irmgard, die aus Haifa angereist kamen. An die beiden Frauen geht auch mein spezieller Dank, denn ich habe bei ihnen ein sogenanntes „Wellnesswochenende“ in Haifa verbringen dürfen, als ich am Wochenende aus Jerusalem aufgrund meiner nicht befriedigenden Wohnsituation „flüchtete“. Ich war in der Freiwilligen-WG in Ein Kerem bei Jerusalem untergebracht.

Unabhängig von den unhygienischen und gesundheitsgefährdeten Zuständen im Haus (bei meiner Ankunft im März befand sich das Badezimmer in einem schimmeligen Zustand), wurde meine Toleranz durch das Zusammenleben mit den „Kindern“ (so habe ich die Langzeitfreiwilligen genannt, die Anfang 20 waren) auf eine harte Probe gestellt. Ich kann gar nicht sagen, wie sehr ich mich in Jerusalem auf mein eigenes Badezimmer und meine eigene Küche in Hamburg wieder gefreut habe!!!

Was die Auswahl der Freiwilligen betrifft, hätte ich mir noch einen Menschen zwecks Austausches gewünscht, der bzw. die den Mittelfristigen Dienst in Israel auch als eine Auszeit (wie ich) angesehen hätte, um sich eventuell beruflich umzuorientieren. In unserer Freiwilligengruppe waren die „Jungen“ und die „Alten“ vertreten, mir fehlte der sogenannte „Mittelbau“.

Zusammenfassend war meine Zeit, mein Freiwilligendienst in Israel, in vielerlei Hinsicht sehr bereichernd. Zum einen habe ich ein wenig mehr vom alltäglichen Leben in Israel mitbekommen können, kulturelle Highlights genossen wie das Konzert der israelischen Sängerin Chava Alberstein im Museum in Tel Aviv oder interessante Begegnungen gehabt wie mit Avital Ben-Chorin, eine der wenigen Lebenden, die meine Lieblingslyrikerin Else Lasker-Schüler noch persönlich kannte und mir viel über sie erzählt hat. Zum anderen ist
Jerusalem ein Ort, der keine Gleichgültigkeit zulässt und einen ständig herausfordert, sich selbst zu definieren, gerade auch was die Religionszugehörigkeit oder den Glauben allgemein anbelangt. Ich bin in meinem Leben noch nie auf so viele Menschen getroffen wie hier in Jerusalem, die auf der Suche sind nach Heimat, nach Religionszugehörigkeit, nach Liebe, nach Identität und habe an mir meine eigene zunehmende Klarheit gesehen. Und ist es nicht wunderbar mit sich im Reinen zu sein oder auch spannend, an sich festzustellen, was einer Korrektur bedarf?